Cybermobbing: Jeder sechste Schüler betroffen

Das Bündnis gegen Cybermobbing gab bekannt, dass jeder sechste Schüler in Deutschland schon einmal Opfer von Mobbing im Internet geworden ist. Gerade soziale Netzwerke werden als Plattform für Beschimpfungen, Beleidigungen und Gerüchteverbreitung genutzt. Die repräsentative Studie beinhaltet schulformübergreifend Angaben von 6739 Schülern, 1953 Eltern und 661 Lehrern.

17 Prozent der Schüler gaben an, selbst schon einmal mit Mobbing konfrontiert worden zu sein. Unter den besonders gefährdeten Jugendlichen im Alter von 14-16 Jahren waren es sogar 20 Prozent. Fast genauso viele Jugendliche hingegen gaben zu, selbst schon einmal andere im Internet gemobbt zu haben. Als Grund gaben sie meist "Spaß" oder "Langeweile" an. Mehr als ein Drittel der Täter waren schon selbst einmal Opfer von Cybermobbing. 60 Prozent der Lehrer äußerten, Fälle von Cybermobbing zu kennen. 80 Prozent des Internet-Mobbings findet in sozialen Netzwerken wie Facebook statt.

Das Bündnis gegen Cybermobbing e.V. ist ein Zusammenschluss aus Eltern, Forschern, Juristen, Medizinern und Pädagogen. Der Vorstandsvorsitzende Uwe Leest fordert Anbieter der für Mobbing genutzten Plattformen zu mehr Verantwortung sowie schnelles Handeln bei Mobbing-Meldungen auf. Zudem sollen sie Hinweise auf mögliche Gefahren und Risiken geben.

Das Mobbing im Internet ist ein immer stärker werdendes Problem, das selbst schon in den Grundschulen Einzug gehalten hat. Die Präventionsexpertin des Bündnisses Catarina Katzer fordert, dass eine entsprechende Aufklärung bereits in der Kita stattfinden muss. Cybermobbing belastet die Opfer sehr stark. Sie haben keine Rückzugsmöglichkeiten mehr, denn das Internet ist überall - auch am heimischen Computer oder Smartphone. Die Täter kommen meist aus dem eigenen Schulumfeld und verbreiten im Internet beispielsweise peinliche Fotos, Gerüchte und Lügen oder Filme. Opfer leiden u.a. unter Konzentrationsproblemen, Leistungsabfall, Angstzuständen, Kopf- und Magenschmerzen und Wut. "Cybermobbing tut weh", so Katzer.

Ein möglicher Lösungsweg sei mehr Aufklärung für Kinder, Pädagogen und Eltern. So fordert Leest u.a. ein spezielles Unterrichtsfach an Schulen sowie die Einführung einer zentralen Hotline-Nummer für Opfer. Auch Pädagogen müssten mehr Unterstützung erfahren und Zugang zu Schulungen bekommen. Die Untersuchung offenbart, dass der Mehrheit der Lehrer das nötige Fachwissen fehlt.

Die Studie des Bündnisses für Cybermobbing - mit Unterstützung durch die ARAG SE - ist die umfassendste zum Thema, die bislang in Deutschland durchgeführt wurde. Am 11. September wird das Bündnis einen ersten internationalen Cybermobbing-Kongress in Berlin auf die Beine stellen.